Das intellektuelle und kulturelle Klima in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Ein Essay über den ersten Teil aus Francis Schaeffers "Gott ist keine Illusion"
BUCHREIHE: GOTT IST KEINE ILLUSION, FRANCIS SCHAEFFER
Erik
5/20/20262 min read
Leere in welche Richtung man auch schaut – Kein Festland, kein Leuchtturm, kein Schiff, nicht mal eine Boje. Nichts an das man sich festhalten könnte, kein Bezugspunkt. Die Sonne versteckt hinter dichten Wolken. Dunkel, Kalt, Öde. Jedwehige Hoffnung auf Mitteilung oder Orientierung: Nichtig.
In eine solche Situation hat sich der Moderne Mensch nach Francis Shaeffer selbst begeben. Auf der Suche nach Wahrheit wurde der Schritt über die Planke gewagt und das mit fatalen Folgen. In einem Akt der Verzweiflung verließ der moderne Mensch das sichere Schiff von stringenter Beziehung von Richtig und Falsch. Hilflos schwimmt er nun auf dem weiten Meer und driftet ohne jeglichen Bezugs- oder Orientierungspunkt weit aufs Meer, bis er im Chaos untergeht.
Auf eindrückliche Weise stellt Schaeffer die Entwicklung des modernen Menschen angefangen in der Philosophie weiter über Kunst, Musik und dem allgemeinen Kulturleben bis hin zur Theologie dar und hebt schließlich den Blick des Christen, welcher durch diese Entwicklung seinen Beruf als Menschenfischer mit neuen Netzen antreten kann.
Philosophisch wurde mit Hegels Einführung der Synthese – welche These und Antithese zu harmonisieren versucht – und Kierkegaards Feststellung, diese sei mit Vernunft nicht zu erreichen, ein neues Zeitalter des Denkens eingeleitet. Fortan klafft eine scheinbare Kluft zwischen dem Rationalen, Logischen und dem Glauben, die es zu überbrücken gilt und welche auf verschiedenste Art und Weise zu überwinden versucht wird. Sei es durch ein nicht-mitteilbares, nicht-rationales Ereignis oder den Versuch der Selbstverwirklichung. Zum Teil stellt sich schon eine Zufriedenheit ein, sich fortan nur auf einer Seite der Kluft zu befinden. Die Folgen dieser Versuche sind desaströs und enden in bedeutungslosem Handeln, dem Missbrauch von Drogen oder einem unvernünftigem Optimismus.
Auf sehr ähnliche Weise – aber zeitlich verschoben – entfaltet sich diese Entwicklung auch in Kunst und Musik. Die Suche nach einem „Allgemeinen“ führen sowohl auf Leinwand als auch auf dem Notenblatt zu immer abstrakteren Werken der Künster und führen letztlich zu Chaos und Zerstörung.
Schaeffer fordert den Christen dazu auf diesen Anblick nicht auf die leichte Schulter zu nehmen oder ins Lächerliche zu ziehen, sondern Mitleid zu zeigen und durch das Festhalten am sicheren Boot, der Antithese, den Sinkenden aus dem unendlich tiefen Meer zu fischen. Wo jede romantische Sicht des Lebens sich – wie Zuckerwatte – bei der ersten Berührung des Wassers vollkommen auflöst, bietet das realistische Christentum einen Rettungsring, der scheinbar eben für diese verzweifelten Nichtschwimmer lebensrettend sein könnte.
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