Die Beziehung der modernen Theologie zum intellektuellen Klima

Ein Essay über den zweiten Teil aus Francis Schaeffers "Gott ist keine Illusion"

BUCHREIHE: GOTT IST KEINE ILLUSION, FRANCIS SCHAEFFER

Miguel

6/10/20263 min read

Grand Canyon
Grand Canyon

Eine breite Kluft herrscht zwischen Vernunft und Glaube. Zwei völlig unterschiedliche Sphären scheinen unvereinbar. Die Erkenntnis, dass der reine Rationalismus den Menschen zur Maschine degradiert und ihm dadurch Sinn und Bedeutung nimmt, führt unweigerlich zur persönlichen Kapitulation vor dem Leben. Oder aber zu einer Suche - eine Suche nach Sinn außerhalb meiner Ratio! Auch die moderne Theologie befindet sich also auf dieser Suche. Doch am Ende ihrer Reise steht nicht mehr der sinngebende Gott, sondern das sinnraubende Nichts.

Bereits Thomas von Aquin rang um die Einheit von Natur und Gnade, von ebendiesen sich gegenüberstehenden Sphären. Demgegenüber stand Jahrhunderte später Leonardo da Vinci als Vertreter des Renaissance-Humanismus. Er suchte nicht nach einer Einheit dieser beiden Sphären, sondern trachtete nach Sinn, Bedeutung und Ganzheitlichkeit allein auf rationaler Ebene. Heute sind die Dinge anders und die Gedanken beider Persönlichkeiten erweisen sich als scheinbar überholt.

Zum einen wird heute angenommen, dass es keinen gemeinsamen Nenner dieser beiden Sphären gibt, nach dem Thomas von Aquin suchte. Außerdem ist akzeptiert, dass die Ratio allein keinen Sinn stiften kann. Also ist auch das Trachten da Vincis von Grund auf zum Scheitern verurteilt. Vielmehr benötigt es einen "irrationalen Sprung" hinaus aus dem "Rationalen", hinein in das ganz andere Gebiet des unerklärbaren Metaphysischen. Einen Sprung in etwas hinein, was mein Verstehen übersteigt und mir somit die Illusion von Sinn und Halt vermitteln kann - Dinge, die man rational nicht finden könne.

Die moderne Theologie übernimmt dieses Denkmuster und stellt sich damit einer neuen Herausforderung. Dass die Vernunft allein keinen Sinn geben kann, ist auch dem Theologen klar, macht sie doch das Leben zum Mechanismus. Aber der Mensch bleibt ein Ebenbild Gottes, unabhängig von seinen denkerischen Annahmen!
Alles drängt ihn dazu, auch das zu erleben, was über sein eigenes Verstehen hinausgeht und ihm Sinn gibt.
Also nimmt auch der moderne Theologe Anlauf und wagt in seiner Sinnsuche den "Sprung" über seine Ratio hinaus. Doch auf dieser anderen Seite wartet eben kein persönlicher und erkennbarer Gott mehr. Durch das Übernehmen der modernen Denkmuster, wurde Gott gewissermaßen getötet - seine Existenz einfach entfernt.

Ein zwar transzendenter, aber persönlicher und erkennbarer Gott hat in diesem System keinen Platz mehr.
Weder auf Rationaler "Vernunftsebene", denn er ist ja transzendent - noch auf der Ebene des Unerklär- und Unerkennbaren, denn so ein Gott wäre ja persönlich und erkennbar.
Mit der Trennung von Theo und Logie wurde also auch Gott zerrissen: An seine Stelle tritt schlicht und einfach das unerklärbare und unpersönliche "Alles". Dieses nämlich passt in die Sphäre des Unerklärbaren.
Was dadurch entsteht ist eine neue Art des Mystizismus und sie hat Ähnlichkeiten mit asiatischer Spiritualität, wo derartige unpersönliche, pantheistische, unerklärbare und doch das Universum erhaltende Kräfte das sind, was wir sonst "Gott" genannt haben.

Durch dieses Denken hängt sich die moderne Theologie den Strick um den Hals. Das Einzige was der wahrhaftige Gott und diese neue, dabei aber in die Leere führende Denkweise miteinander teilen ist die Bezeichnung: Gott.
Und genau hier liegt das Problem und die Herausforderung unserer Zeit!
Diese neue Art des Denkens und insbesondere die moderne Theologie hat den Anschein von Wahrhaftigkeit und Sinn, weil sie Worte gebraucht, die uns geläufig sind. Doch verbirgt sich dahinter bloß die große Leere.

Wo in modernen Kirchen der Begriff "Gott" nicht mehr den sinngebenden, persönlichen und erkennbaren Schöpfer beschreibt (sondern vielmehr das sinnraubende, relativierende und unpersönliches Alles), hält eine große Verzweiflung Einzug in unsere Gotteshäuser - und das alles unter dem Deckmantel der uns wohlklingenden Begriffe "Gott", "Heil" und "Bedeutung".

Die Aufgabe des Christen muss es sein, diesen Betrug zu durchschauen und sich selbst und die kommenden Generationen davor zu bewahren.
Es muss für ein Konzept absoluter Wahrheit eingestanden werden - absolute Wahrheit, die in Gott begründet liegt. Dieser Gott ist erkennbar, bereit zur Vergebung, persönlich und - das vor allem - keine Illusion!

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Miguel

Erik

Denkend glauben - denn gute Fragen brauchen durchdachte Antworten.
Mit unserem Blog wollen ermutigen die richtigen Fragen zu stellen und dann auch helfen, die entsprechenden Antworten zu geben. Unser Interesse richtet sich dabei besonders auf die geisteswissenschaftlichen Disziplinen der Theologie, Philosophie und der jeweiligen Randbereiche. Antworten können begeistern, Türen öffnen und Wege bereiten. Besonders in Bezug auf die Theologie haben wir Begeisterung erlebt, die wir teilen wollen. Dass wir niemals alles Verstehen und Erkennen können ist uns bewusst, doch wo das Denk ein End hat, bleibt ein Vertrauen. Ein Vertrauen auf Gott, der jede Frage und jede Antwort kennt. Das größte Ziel ist, seine Sache voranzutreiben und ihm die Ehre zu geben, die ihm gebührt.