Die Unterschiede zwischen dem historischen Christentum und der modernen Theologie

Ein Essay über den dritten Teil aus Francis Schaeffers "Gott ist keine Illusion"

BUCHREIHE: GOTT IST KEINE ILLUSION, FRANCIS SCHAEFFER

Nathanael (Gast)

6/19/20263 min read

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Ein sinngebender Gott oder ein sinnraubendes Nichts? Vor dieser Entscheidung stand die moderne Theologie - und sie hat sich entschieden! Aber welchen Unterschied macht es, wenn der persönliche, drei-eine Gott gegen ein unpersönliches, allumfassendes „All“ ausgetauscht wird? Dieser Frage geht Francis Schaeffer in dem 3. Teil seines Buches “Gott ist keine Illusion” nach.

Vergleicht man das System des historischen Christentums mit den Grundannahmen der modernen Theologie, so wird ersichtlich, dass das historische Christentum eine Antwort auf die drei grundlegenden Bedürfnisse des Menschen hat, die die moderne Theologie nicht geben kann.

Auf die Frage „Wer ist der Mensch?“ kann das historische Christentum antworten, dass der Mensch eine Persönlichkeit ist, weil sein Ursprung, der drei-eine Gott, persönlich ist, und dieser ihn als sein Ebenbild schuf. Die moderne Theologie nimmt an, dass der Mensch einen unpersönlichen Ursprung hat und dass Zeit und Zufall ihn zu einer Persönlichkeit werden ließen. Die Folge dieses Ansatzes ist, dass Persönlichkeit dann zu einer Illusion wird, die nur durch einen mystischen Sprung ins Irrationale erhalten bleibt. Dass dieser Ansatz zu größerer Verzweiflung führt, bestätigt die Aussage Sir Julian Huxleys, dass der Mensch besser leben könne, wenn er so handelt, als gäbe es einen Gott. Demnach lebt der Mensch besser, wenn er einer (aus seiner Sicht) offensichtlichen Lüge glaubt, als seiner selbstgeschaffenen Wahrheit!

Aber wie kann der Mensch Wahrheit erkennen? Vom Standpunkt des historischen Christentums lautet die Antwort: Da der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist, kann der persönliche Gott mit dem Menschen kommunizieren. Nicht in einer erschöpfenden Art und Weise, aber doch so wirklich, dass der Mensch versteht, was die Wahrheit über Gott, sich selbst, die Geschichte und die Welt ist. Damit beruht Wissen über Wahrheit nicht innerhalb eines Systems, sondern darin, dass der Mensch ein wirkliches Gegenüber im persönlichen, dreieinen Schöpfergott hat. Diese Antwort hängt wesentlich an der Ebenbildlichkeit des Menschen. Löst man diese auf, wie es die moderne Theologie tut, muss der Mensch, um wirklich etwas erkennen zu können, entweder den panallisthischen Gott voll erkennen oder wirkliche Erkenntnis ist unmöglich.

Neben den Fragen nach dem Selbst und wirklicher Erkenntnis stellt sich auch die Frage nach der Lösung des menschlichen Dilemmas. Dieses Dilemma besteht darin, dass der Mensch zugleich dazu fähig ist, die großartigsten Taten zu vollbringen und im nächsten Moment den Abgrund aller Grausamkeit an den Tag zu legen. Um die Ursache dieses Dilemmas zu erklären, gibt es zwei Ansätze, so Schaeffer: Die metaphysische Ursache und die moralische Ursache. Dem Ansatz der modernen Theologie folgend, liegt der Schluss nahe, dass es eine metaphysische Ursache gibt, sodass der Mensch zu klein und begrenzt ist, um das Dilemma zu lösen. Damit steckt der Mensch schon immer und für immer in diesem Dilemma fest, sodass es unabdingbar zu seinem Wesen gehört. Folgt man der moralischen Ursache, wie es das historische Christentum tut, so war der Mensch nicht immer in diesem Dilemma gefangen, sondern es gab eine Zeit, in der sich Adam (der Mensch) frei entscheiden konnte, ob er Gott lieben oder gegen ihn rebellieren wollte. Weil er sich dazu entschied, gegen Gott zu rebellieren, befindet sich der Mensch jetzt in einem von seiner ursprünglichen Bestimmung entfremdeten Zustand, der sich in der Grausamkeit des Menschen zeigt. Damit unterscheidet sich die Antwort des historischen Christentums grundlegend von jener der modernen Theologie. Während die moderne Theologie von keiner persönlichen Schuld ausgeht, kennt das historische Christentum eine persönliche, moralische Schuld.

Als Lösung dieses Dilemmas ist Christus, der persönliche Gott, in diese Welt gekommen, um die persönliche Schuld und das Dilemma des Menschen zu lösen – denn dieser Gott ist keine Illusion, er ist da, und er schweigt nicht!

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